Phänomen Heilung

Kapitel 2

Fühlen, erinnern, erkennen

Die Seele speichert all unsere Erfahrungen

Ob wir traurig oder glücklich sind, gesund oder krank: Wir fühlen, erleben und sammeln Erfahrungen; mit Menschen, die uns begegnen, mit unseren Wünschen, unseren Zielen im Leben, mit Situationen, die uns fordern, und mit Erinnerungen an all das, was wir schon gesehen, erlebt, gelernt – und „gespeichert“ – haben. Dieses Erinnerungsvermögen in uns reicht sehr, sehr weit zurück. Aber wo sind all diese Erfahrungsdaten gespeichert? Da wir uns bewusst an die Erfahrungen und Erlebnisse erinnern können, muss es also eine Art „Datenbank“ in uns geben, die dies alles aufzeichnet und aufbewahrt. Bei der großen Menge und Vielfalt an Informationen muss dieser Speicher sehr groß sein. Dafür kommt nur unsere Seele in Betracht.

Die Seele ist nicht sichtbar, doch ihre Wirkung und Ausstrahlung ist erfahrbar. Ohne Seele kann der Körper nicht existieren, und der Mensch sollte sich seiner selbst als Träger einer Seele gewahr werden. Sich zu entdecken bedeutet auch zu erfahren, dass jeder Mensch eine Seele hat. Diese steuert auch unseren physischen Körper. Denn welcher Mensch kann von sich behaupten, dass er die Funktionen in seinem Körper zu jeder Sekunde bewusst steuert? Welcher Mensch wäre in der Lage, sein Herz so zu kontrollieren, dass es sich mit genau so vielen Schlägen der derzeitigen Umgebungssituation und Lage anpasst? Wer kann seinem Magen mitteilen, dass je nach aufgenommener Nahrung die Magensäuren verschieden stark ausgeschüttet werden müssen und welche Arten von Verdauungssäften noch im weiteren Prozess vonnöten sind, um die Nahrung optimal zu verwerten und aufzunehmen? Oder wer kann behaupten, dass er einen direkten willentlichen Einfluss hat, in welcher Form die Nieren das Blut filtern und Giftstoffe ausscheiden?
Also muss es eine höhere Intelligenz in uns geben, die das ganze System ordnet. Es kann nicht das Gehirn sein, das dies macht, sondern nur etwas Höheres, das den Zugang zu jeder einzelnen Zelle hat – und das kann dann nur die Seele sein.
Spüren Sie im Genuss und in der Zärtlichkeit, dass es mehr gibt als den Körper, der die Zärtlichkeit genießt? Wer ist in uns, der wahrnimmt, wenn uns etwas gut gefällt? Kann es die Seele sein, die den Ausdruck durch den Körper dann erst ermöglicht?

Wenn wir die Seele mit einem Behälter vergleichen, in dem spürbar Freude oder Trauer zu erleben sind, dann kann die Seele auch von uns gefühlt werden und ist damit aber gleichzeitig nicht das, was fühlt oder Gefühl ist, sondern etwas anderes. Stirbt der physische Körper und verlässt die Seele wie gedacht mit dem letzten Atem den Körper, dann müsste die Seele von etwas noch Höherem gesteuert werden. Gerade auch, wenn die in der Seele gespeicherten Erlebnisse frei gewählt werden dürfen und jeder Mensch frei festlegen kann, was er in welcher Priorität im Leben erleben will.
Der Körper existiert und kann von uns gefühlt und wahrgenommen werden. Aus diesem Grund ist die Ebene Körper im Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist für uns Menschen so gut verständlich, und viele neigen daher dazu, sich nur auf die körperliche Ebene zu konzentrieren. Über die Ebene Seele hingegen kann man sich streiten, da sie normalerweise nicht sichtbar ist für die Augen der meisten Menschen. Aber in ihr ist alles gespeichert, was wir je erlebt haben.

Man kann sich das so vorstellen, dass der Körper geradezu in der Seele badet, also die Seele jedes Menschen seinen Körper voll umschließt. Daher ist eine Interaktion zwischen den Ebenen Seele und Körper möglich. Wenn ich mich zum Beispiel vor etwas, das ich sehe, stark ekele, wird dieser Ekel von der Wahrnehmung über die Augen in meinen Körper gehen. Hier gibt es aber dann bei tiefgreifendem Ekel die Besonderheit, dass die Seele auch beteiligt sein muss mit gespeicherten Erlebnissen, die diese erste visuelle Wahrnehmung dann so mit Kraft aufladen, dass dieses Ekel-Gefühl wie eine Welle durch meinen ganzen Körper rast und zum Beispiel dazu führt, dass auf meinen Lippen Bläschen entstehen – wie beim Herpes oder eine Hautrötung bei Kontaktallergien. Diese schnelle Reaktion bei Herpes ist medizinisch gar nicht erklärbar, da die normalerweise benötigte Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Bläschen am Mund, einige Tage beträgt – aber sehr oft die Bläschen innerhalb von Minuten oder Stunden nach der Situation entstehen. Hier wird die schnelle Reaktion der in der Seele gespeicherten Erlebnisse deutlich. Eventuell könnte ja eine Art Abdruck des Herpes-Virus schon längst in der Seele existieren und nur darauf warten, dass es eine spontane Stimulation durch die Aversion gegen diese Wahrnehmungen und Gefühle gibt, die in Richtung Ekel gehen.
Aber nicht nur der direkte symptomhafte Ausbruch einer Krankheit, sondern auch eine Art Anfälligkeit oder Stimulationsfähigkeit des menschlichen Körpers ist damit erklärbar, der bei einigen Menschen sehr viel ausgeprägter ist als bei anderen, obwohl sie sich in der gleichen Lebenssituation befinden bzw. in der gleichen Umgebung aufgewachsen sind.

Jeder einzelne kann in sich selbst entdecken und erfahren, dass es eine Qualität in ihm gibt, die Beweis des Lebens ist. Wir müssen wegkommen von der Vorstellung, dass wir alle als Menschen nur Ergebnis eines Zufalls sind, und erkennen, dass wir in uns selbst – in jeder unserer Zellen – die Urkraft des Lebens haben.

In unserer Seele sind unsere Erfahrungen generell nicht in Form von Bildern oder Sätzen, sondern in Form von Frequenzen gespeichert – vor allem, wenn es sich um vergangene Erlebnisse handelt. Aktuelle, neue Erfahrungen aus unserem jetzigen Leben können sich aber zunächst auch als bildhafte Eindrücke darstellen, um sich im Laufe der Zeit als Frequenzen abzuspeichern. Daher können sich diese Erlebnisse mit vergangenen gelebten Geschehnissen kombinieren und verbinden und so zusätzlich an Dynamik gewinnen. Das kann so weit gehen, dass Menschen geradezu von Sätzen gejagt werden, die aus dem Unterbewusstsein nach oben drängen, nachdem sie (unbewusst) stimuliert wurden, zum Beispiel durch bestimmte Gefühle oder Wahrnehmungen.
Die Summe der in unserer Seele gespeicherten Gefühle hat ein Gesicht oder Profil und damit ein unverwechselbares, einmaliges Energiemuster. Dieses Energiemuster besitzt ein magisches Anziehungsvermögen, das wiederum andere Energiemuster und Energien generell anziehen kann in einer Weise, die genau auf das zugrunde liegende Profil passt. Wie ein Schlüssel in das zugehörige Schloss passt, kommt es dadurch zu einem Anziehen von Personen und Situationen, die unserem eigenen Energiemuster entsprechen und in uns wiederum die schon gespeicherten Gefühlsmuster stimulieren und dadurch die Gefühle in uns freisetzen. Das Ganze funktioniert wie bei einem Magneten über Anziehung und Abstoßung – zwei Elementarprinzipien im Universum.
So kommt es, dass Menschen in den gleichen Situationen und Rahmenbedingungen vollkommen unterschiedlich reagieren können. Die einen fallen zum Beispiel in Lethargie oder Depres-sion, die anderen wischen die Situation gleichsam weg und gehen zum nächsten Thema oder zur nächsten Beschäftigung über.
?So gibt es beispielsweise Kinder, die Angst vor Hunden haben, obwohl sie noch nie ein schreckliches oder gefährliches Erlebnis mit Hunden hatten. Andere Kinder laufen mit offenen Armen auf Hunde zu, obgleich sie ebenso wenig wissen können, ob sie bösartig sind oder nicht. Wie kommt das? Bei ganz kleinen Kindern fällt das Argument weg, dass sie sich ihr Verhalten nur durch beobachtete Reaktionsmuster der Eltern oder durch Aufnahme von Wissen durch Schule, Freunde oder Fernsehen angeeignet haben. Es muss also mehr geben, eine Art Erfahrungsschatz, der jedem Menschen von Beginn an innewohnt. Diese vorhandenen Speicherungen zeigen sich sehr leicht bei Kindern, wenn man sie nur beobachtet und ihnen eine Chance gibt, spontan Dinge zu tun.
Viele Eltern haben auch schon erlebt, dass Kinder in der Nacht schreiend aufwachen und vor etwas Angst haben, das im Raum ist, sogar darauf deuten können – aber niemand sieht etwas. Es gibt Kinder, die den Eindruck erwecken, dass sie im Schlaf malträtiert werden, geschlagen werden, dass sie Dinge sehen, die sie aus ihrem kurzem Leben noch gar nicht kennen können. Es müssen also Speicherungselemente in einer kleinen Seele vorhanden sein, da sie von Dingen träumen, die sie in diesem Leben noch nicht erlebt haben.
Ein Kind kann von einer Schlange träumen, hat aber in diesem Leben noch keine Schlange gesehen. Wie kommt das? Selbst wenn es in einem Kinderbuch eine Schlange gesehen hat, wird in keinem Kinderbuch stehen, dass eine Schlange einen Menschen töten kann, und trotzdem hat es im Traum Angst, von der Schlange verfolgt und getötet zu werden. Es müssen also alte Erinnerungen sein. Ein Kind kann auch träumen, dass es vom Pferd fällt und stirbt. Es kann ja selbst in seinem jetzigen Leben erlebt oder gesehen haben, wie jemand oder es selber vom Pferd gefallen ist, aber wahrscheinlich nicht, dass derjenige dann auch gestorben ist.

Hier zeigt sich die hohe Sensibilität des Kindes, die man ihm nicht nur gestatten sollte, sondern die man fördern sollte durch Gespräche, Malen oder Zuhören, wenn es frei erzählt – damit aus der Tiefe des Unterbewusstseins der Seele Erleichterung und Fließen entstehen können. Diese Hilfe generiert Vertrauen des Kindes zu den Erwachsenen und wird uns später gedankt durch eine spontane, frische, freie Seele des Kindes. Wie die Erfahrung zeigt, ist die Anwendung einer Kinder-Meditation hilfreich.
Wenn an dieser Stelle ein Kind abgetan wird als Spinner, Märchenerzähler oder „Sensibelchen“ im negativen Sinne, steht es schon so früh im Leben zwischen zwei Welten. Es wird einen hohen Kraftaufwand benötigen, um diese scheinbaren „Nicht-Wirklichkeiten" zu unterdrücken, und sein Vegetativum kann schon dadurch eine Störung erleiden.
„Aber das ist doch alles Fantasie der Kinder“, könnte man nun einwenden – aber wie kann es dann sein, dass diese Fantasie in einem Kind gespeichert ist, das im Traum, wenn das Wachbewusstsein nicht eingeschaltet ist, einen Film daraus macht? Was für ein Bewusstsein ist es dann, das nachts in unseren Träumen regelrechte Filme erschafft? Das heißt, die Seele müsste eine „Regie“ haben, die nicht vom Wachbewusstsein abhängig ist.


© 2008 von Yashi Kunz und Gordon Müller-Eschenbach
Alle Rechte vorbehalten. Keine Kopie, Speicherung und Verbreitung ohne schriftliche Zustimmung der Autoren

Das Buch ist erhältlich in unserem  Shop oder im Buchhandel (ISBN: 978-3-939895-03-9)

Speicherung von Eindrücken in der Seele am Beispiel eines Reitunfalls (Quelle: Phänomen Heilung von Yashi Kunz u. Gordon Müller-Eschenbach, 2008)

Speicherung von Eindrücken in der Seele am Beispiel eines Reitunfalls (Quelle: Phänomen Heilung von Yashi Kunz u. Gordon Müller-Eschenbach, 2008)
 

Blockaden behindern den freien Energiefluss im Körper (Quelle: Phänomen Heilung von Yashi Kunz u. Gordon Müller-Eschenbach, 2008)

Blockaden behindern den freien Energiefluss im Körper (Quelle: Phänomen Heilung von Yashi Kunz u. Gordon Müller-Eschenbach, 2008)



(...Fortsetzung:)

Auffällig ist auch, dass das Traumbewusstsein eine größere Menge an gespeicherten Informationen aufweist als das Wachbewusstsein, weil das Wachbewusstsein nur vom Moment der Geburt des Kindes bis zum Zeitpunkt des Traums reicht, also vielleicht drei, vier Jahre. Aber im Unterbewusstsein kommt das Kind an die Daten von allen Erlebnissen und Erfahrungen, die gespeichert sind. Dies würde darauf hindeuten, dass es mehr gibt im Unterbewusstsein.
Doch wer führt das Unterbewusstsein? Auf keinen Fall das Wachbewusstsein, aber wer dann? Also muss es eine Intelligenz im Unterbewusstsein geben, die gleichermaßen in der Seele ist wie das Unterbewusstsein und das Wachbewusstsein. Und diese Intelligenz kann schon ohne das Wachbewusstsein in einem Kind einen Traum hervorbringen, der mit Daten gespickt ist, die nicht aus diesem Leben sind.
Ein kleines Kind bleibt natürlich ein kleines Kind, weil es einen jungen kleinen Körper hat – aber seine Seele ist eben kein kleines Kind, sondern in ihr ist alles an Erfahrungen vorhanden. Die meisten kleinen Kinder sind auch noch in der Lage, auf diese alte Datenbank in ihnen zurückzugreifen, sie sind hell-sichtig, hell-fühlend und – in Teilen – auch hell-wissend. Das beruht darauf, dass bei ihnen noch nicht die Aufnahme von (vermeintlich) neuem Wissen durch Erziehung, Kindergarten und Schule das Fließen der alten Strukturen blockiert. Sie werden jedoch in der Regel nicht weiter darin trainiert, auf dieser Ebene zu bleiben. Im Gegenteil – mit dem Wachstum des Gehirns und des Körpers wachsen ihre Aufgaben und Erfahrungen im Diesseits – was ja auch unsere Aufgabe hier ist.

Aber wofür machen wir all diese Erfahrungen? Wofür lohnt es sich, all diese Erfahrungen zu machen in unserem Leben? Es muss einen Grund geben, dass wir Daten oder Erfahrungen sammeln – auch Erfahrungen, von denen wir mit Bestimmtheit sagen würden „Mensch, das möchte ich nie mehr erleben ...“
Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Geist und Seele sich erfahren wollen in der größtmöglichen Weite von Erfahrungen, Gefühlen und Situationen. Jede Erfahrung, die wir machen, bereichert unsere Seele in ihrem Wunsch nach Leben.

Und wie speichert unsere Seele Erlebnisse und Erfahrungen? Sie werden nicht als Bilder, sondern als Frequenzen gespeichert, die sich mit anderen gelebten Geschehnissen kombinieren und verbinden können und so an Dynamik gewinnen.
An einem konkreten Beispiel wollen wir dies verdeutlichen: Ein Kind fällt vom Pferd und stürzt auf sein Knie. Diese Situation wird sofort in der Seele des Kindes festgehalten – und nicht nur der Schmerz der Knieverletzung und die Situation des Reitens auf einem Pferd, sondern auch zum Beispiel Gefühle wie Schuldzuweisungen, Ärger oder Angst und Empfindungen wie Temperatur, Jahreszeit, Wetter etc.

Nun müssen natürlich nicht alle Erlebnisse und Erfahrungen schmerzhaft sein, um Eingang in unseren großen Seelenspeicher zu finden. Talente, Begabungen und gelernte Dinge finden ebenso ihren Platz wie andere fröhliche und schöne Erlebnisse.
Je besser, weitläufiger oder gelassener unsere Erfahrungen sind, umso großzügiger und reicher stehen sie uns zur Verfügung – als Unterstützung für das, was Leben ist.

Was Blockaden von anderen
Speicherungen unterscheidet

Als „Blockaden“ bezeichnen wir alle in uns gespeicherten Ablagen, die teilweise über eine lange Zeit mit immer wiederkehrenden negativen Gefühlen und Erlebnissen aufgeladen wurden und als „kleine Kraftbomben“ in uns schlummern.Blockaden deshalb, weil sie auf energetischer Ebene wie Hindernisse wirken, die den freien Fluss unserer Energie behindern oder in andere Bahnen lenken und damit Disharmonien in uns auslösen. Sie verführen uns dazu, Dinge aus Missverständnissen und alten Gewohnheiten zu tun, die nicht im Fluss des Lebens und damit in der Absicht unserer Seele sind. Sie blockieren uns, da sie uns in unseren Handlungen und Gefühlen beeinflussen, uns zum Beispiel zu heftigen Wut- und Zornesausbrüchen, Zank und Streitereien verleiten oder uns innere Verletzungen, Eifersucht, Unzufriedenheit, Misstrauens-attacken, Hass und Neid spüren lassen. Durch zugrunde liegende Missverständnisse, die in sich widersprüchliche Energien enthalten, können sich Blockaden auch gegenseitig bekämpfen und so ein noch größeres Chaos in uns anrichten. Dadurch können sie eine so starke Kraft entfalten, dass sie unseren Körper energetisch so verändern, dass Krankheiten ausgelöst werden. Auch wenn Blockaden sehr tief reichen können und daher einiges an Klärung erfordern, werden wir in diesem Buch sehen, wie wir ganz konkret Blockaden in ihrer Wirkung mindern und so Heilung fördern und unterstützen können. Bei Kindern funktioniert dies in besonderer Weise, sogar ohne dass die Blockaden angesprochen werden müssen.

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